Was ist häusliche Gewalt?


In Mecklenburg-Vorpommern ist häusliche Gewalt polizeilich per Erlass des Innenministeriums* definiert als:
jede versuchte oder vollendete körperliche, seelische und sexuelle Misshandlung in einer „häuslichen Gemeinschaft“ (Ehe, Lebensgemeinschaft, gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft, Verwandte). Als "häusliche Gemeinschaft" gilt eine Partner*innenschaft bis 6 Monate nach der Trennung.
*Erlass über polizeiliche Maßnahmen zum Schutz von Opfern häuslicher Gewalt vom 01.03.2002

Die Istanbul-Konvention, die seit dem 01.02.2018 in Deutschland geltendes Recht ist, definiert als häusliche Gewalt „alle Handlungen körperlicher, sexueller, psychischer oder wirtschaftlicher Gewalt, die innerhalb der Familie oder des Haushalts oder zwischen früheren oder derzeitigen Eheleuten oder Partnerinnen beziehungsweise Partnern vorkommen, unabhängig davon, ob der Täter beziehungsweise die Täterin denselben Wohnsitz wie das Opfer hat oder hatte" (S.5).

Was umfasst häusliche Gewalt?


Häusliche Gewalt umfasst körperliche, sexualisierte, emotionale, soziale und ökonomische Gewalt zwischen Personen, die in einer engen Beziehung zueinander stehen. Häusliche Gewalt bedeutet nicht, dass die Gewalt ausschließlich in der Wohnung oder im Haus stattfindet. Auch am Arbeitsplatz, in der Kindertagesstätte oder im Internet wird Partner*innenschaftsgewalt ausgeübt.

 Grafische Darstellung eines Rades. Darin sind die verscgiedenen Gewaltformen angeordnet und erklärt. 

Gewalt fängt dort an, wo die Macht des*der Stärkeren ausgenutzt wird, wo Angst und Hilflosigkeit durch Beleidigungen, Demütigungen, Drohungen, Schläge oder ständige Kontrolle verbreitet werden. Sie beginnt dort, wo körperliche, geistige oder strukturelle Überlegenheit dazu genutzt wird, eigene Interessen mit Zwang durchzusetzen.

 

Häusliche Gewalt wird mehrheitlich durch Ehemänner, Lebenspartner oder andere, auch weibliche, Familienmitglieder ausgeübt. Täter*innen befürworten häufig traditionelle Rollenmodelle in der Partner*innenschaft und in der Gesellschaft und lehnen die Gleichstellung der Geschlechter ab. Trennungen können die Gewalt verschärfen.

 

Viele der gewalttätigen Personen üben die Gewalt nur in der Beziehung oder Familie aus. Sie geben sich nach außen oft sehr freundlich und zugewandt, wirken friedfertig und sind nicht als gewalttätige Menschen erkennbar. Das kann für Betroffene dazu führen, sich hilflos und handlungsunfähig zu fühlen. Viele haben Angst, dass ihnen niemand glaubt, was wirklich zu Hause geschieht und sie ziehen sich deshalb zurück. Die Macht der Tatperson wird dadurch noch vergrößert.

 

Die gewaltsamen Übergriffe sind Ursache für verschiedenste körperliche und seelische Verletzungen und Erkrankungen. Mögliche gesundheitliche Folgen sind Schlafstörungen, erhöhte Ängste und Depressionen, Suizidgedanken, Selbstverletzungen und Essstörungen, Suchterkrankungen, posttraumatische Belastungsstörungen oder unerwünschte Schwangerschaften.

 

Typisch für häusliche Gewalt ist, dass es nicht bei einer einzelnen Gewalttat bleibt, sondern immer wieder Phasen durchlaufen werden, in denen es nach Zeiten der Ruhe und Zuwendung zu erneuten gewalttätigen Übergriff kommt. Die Abstände zwischen den Gewalttaten werden mit der Zeit oft kürzer und deren Ausmaß nimmt zu. Dies bezeichnet man als "Gewaltspirale": Auf die "guten" Zeiten, die etwas Hoffnung schöpfen lassen, folgen wieder Tage oder Wochen voller Angst und Gewalt.

 

Fakten vs. Mythen


„Das kann doch mal vorkommen“
Häusliche Gewalt ist kein normaler Streit in einer Partnerschaft auf Augenhöhe. Es gibt bei häuslicher Gewalt keine Gleichberechtigung. Es geht bei häuslicher Gewalt um Demütigung und Machtdemonstration. Es geht darum, den Partner oder die Partnerin bewusst zu kontrollieren, zu beherrschen und zu verletzen.

Häusliche Gewalt ist kein Einzelschicksal!
Häusliche Gewalt kann jeden Menschen treffen – unabhängig von Geschlecht, Einkommen, sexueller Orientierung, Bildungshintergrund, Herkunft oder Religion. Frauen sind allerdings häufiger von häuslicher Gewalt betroffen als Männer. Wenn Frauen körperliche Gewalt erleben, findet diese Gewalt meistens in privaten Räumen statt und geht vom männlichen Beziehungspartner aus. Wenn Männer körperliche Gewalt erleben, geschieht das zumeist im öffentlichen Raum. Täter*innen sind auch hier vorwiegend Männer.

„Das geht doch keine*n etwas an“
Häusliche Gewalt ist keine Privatsache. Das eigene Zuhause ist kein rechtsfreier Raum. Häusliche Gewalt ist ein klarer Verstoß gegen das Menschenrecht auf körperliche und seelische Unversehrtheit. Familie, Nachbar*innen, Freund*innen und Arbeitskolleg*innen können Betroffene unterstützen. Sie können zuhören, Hilfe und Schutz organisieren und gegenüber der Tatperson deutlich machen, dass häusliche Gewalt nicht akzeptabel ist. Das Hilfenetz M-V bietet Schutz und Beratung.

 

Material zu Wegen aus der Gewalt


Wege aus der häuslichen Gewalt - Was kann ich tun? Wer hilft mir?
CORA, Frauen helfen Frauen e.V. Rostock, 7. kompl. überarb. Aufl., November 2017

Häusliche Gewalt. Wie können Sie sich wehren? Wo bekommen Sie Hilfe? Informationen in Leichter Sprache
CORA, Stark Machen e.V., November 2020