"Wann, wenn nicht jetzt!" - Aufruf
26.05.2020

Mehr als 20 bundesweit tätige Organisationen und Verbände haben Forderungen an die Bundesregierung und Arbeitgeber*innen gestellt, die die Situation von Frauen verbessern sollen.

Im Aufruf "Wann, wenn nicht jetzt!" vom 29.04.2020 heißt es:

 

"Corona hat das Leben in Deutschland und in der Welt grundlegend verändert. Deutlich wird, dass die wirtschaftlichen und sozialen Kosten Frauen wesentlich stärker treffen. Die Pandemie vergrößert alle gleichstellungs- und frauenpolitischen Probleme/Schieflagen, auf die wir bereits seit Jahrzehnten hinweisen. Angesichts der existenziellen Krise wird deutlich, wie lebensbedrohlich sich die über Jahre privatisierte und eingesparte öffentliche soziale Infrastruktur und die falschen Arbeitsbewertungen jetzt auf unseren Lebensalltag auswirken.

Wann, wenn nicht jetzt werden unsere frauen- und gleichstellungspolitischen Forderungen anerkannt und umgesetzt? Wir erwarten von Politik, Arbeitgeber*innen und allen Verantwortungsträger*innen ein ebenso mutiges, sachbezogenes und schnelles Handeln wie jetzt in der Zeit von Corona."

 

Der Aufruf wurde von mehr als 20 bundesweit agierenden Institutionen und Verbänden unterzeichnet, u.a. von der Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsbauftragten, dem Deutschen Frauenrat, DaMigra - Dachverband der Migrantinnenorganisationen, dem Deustchen Juristinnenbund, der Bundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit Häusliche Gewalt e.V., UN Women Deutschland und vielen mehr.

 

Die Unterzeichner*innen fordern:

  • die finanzielle Aufwertung der Berufe in den Bereichen Pflege, Gesundheitswesen, Erziehung und Einzelhandel und eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Dem Applaus und den Ankündigungen von Sonderboni müssen endlich eine ordentliche Tarifbindung und eine Erhöhung der Einkommen folgen.
  • die Abschaffung der Sonderregelungen für geringfügige Beschäftigung.
  • bundesweit einheitliche rechtliche Rahmenbedingungen und die Gewährleistung einer bedarfsgerechten und flächendeckenden Versorgung mit Beratungsstellen und Gewaltschutzeinrichtungen sowie eine Finanzierung, die allen Frauen und Kindern Schutz, Unterstützung und Beratung selbstkostenfrei ermöglicht.
  • Steuer-, Sozial- und Familienleistungen so aufeinander abzustimmen, dass sie zu einer tatsächlichen finanziellen Verbesserung für Frauen, insbesondere für Alleinerziehende führen.
  • Rahmenbedingungen und Arbeitszeiten zu schaffen, die es Müttern und Vätern ermöglichen, sich die Care-Arbeit gerecht zu teilen.
  • einen effektiven Gewaltschutz und unabhängige Beschwerdesysteme für geflüchtete Frauen und Männer in allen Gemeinschaftsunterkünften.
  • die Ausstattung von Gemeinschaftsunterkünften mit einem stabilen WLAN, um Teilhabe an Bildung und Beratungsangeboten sicher zu stellen.

Der Landesfrauenrat Mecklenburg-Vorpommern e.V. hat den Aufruf ebenfalls unterstützt. Sie finden den vollständigen Aufruf untenstehend als PDF.