Fallzahlen 2019 aus M-V veröffentlicht
26.05.2020

Das Beratungs- und Hilfenetz Mecklenburg-Vorpommerns für Betroffene von häuslicher und sexualisierter Gewalt, Menschenhandel und Zwangsverheiratung registrierte 2019 einen leichten Rückgang der Fallzahlen.

Im Vergleich zum Vorjahr ist ein leichter Rückgang der Fallzahlen zu verzeichnen. Insgesamt 4.531 Fälle von Gewalt gegen Erwachsene wurden 2019 im Beratungs- und Hilfenetz erfasst (2018: 4.593 / 2017: 4.182). 2019 wurden zudem insgesamt 4.153 Kinder und Jugendliche im Beratungs- und Hilfenetz verzeichnet, die mit häuslicher Gewalt, sexualisierter Gewalt, mit Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung oder Zwangsverheiratung konfrontiert waren (2018: 4.210 / 2017: 3.830).

Die Landeskoordinatorin Sarah Kesselberg erklärt:

„Die Zahl der Menschen, die sich 2019 an das Beratungs- und Hilfenetz gewandt haben, ist im Vergleich zu 2018 leicht gesunken. Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass 2019 weniger Menschen in M-V Gewalt erfahren haben. Es bedeutet ausschließlich, dass weniger gewaltbetroffene Menschen in Mecklenburg-Vorpommern den Weg zu den Beratungsstellen und Frauenhäusern gefunden haben. Die Bekämpfung von häuslicher und sexualisierter Gewalt, von Menschenhandel und Zwangsverheiratung bleibt eine wichtige Aufgabe, die uns als Gesellschaft im Ganzen fordert. Zentral hierbei ist ein gesellschaftliches Bewusstsein und die Achtsamkeit gegenüber Betroffenen, die unsere Nachbar*innen, Freund*innen oder Kolleg*innen sein können.“

 

Aufschlüsselung der Fallzahlen:

Von den insgesamt 4.531 erwachsenen Betroffenen, die 2019 Schutz und Beratung erfahren haben, waren 4.117 der Betroffenen Frauen, 406 Männer und 8 Personen diversen Geschlechts bzw. haben keine Angabe gemacht. Demnach waren 90,9 % der erwachsenen Betroffenen im Beratungs- und Hilfenetz weiblich (2018: 90,6 %), 8,9 % der Betroffenen männlich (2018: 9,1 %) und 0,2 % divers/ohne Angabe (2018: 0,3 %).

3.811 Kinder und Jugendliche wurden in M-V registriert, die 2019 durch häusliche Gewalt in ihren Familien mitbetroffen waren (2018: 3.843). Zudem gab es 342 direkt von häuslicher Gewalt, sexualisierter Gewalt, Menschenhandel und Zwangsverheiratung betroffene Kinder und Jugendliche (2018: 367). Von den 342 direkt betroffenen Minderjährigen waren 76,9 % weiblich (2018: 70,8 %), 22,8 % männlich (2018: 27,3 %) und 0,3 % divers/ ohne Angabe (2018: 1,9 %) in M-V.

Die Frauenhäuser bieten Frauen und ihren Kindern Tag und Nacht Schutz in akuten Krisensituationen an. 2019 wurden in den neun Frauenhäusern mit insgesamt 60 Zimmern 285 Frauen mit ihren 310 Kindern (Gesamtbelegung: 595) aufgenommen. 2018 waren es 641 Belegungen und 2017 gab es 674 Belegungen. Überdies wurden 2019 insgesamt 858 Frauen mit 690 mitbetroffenen Kindern ambulant durch die Frauenhäuser beraten. Im Vorjahr 2018 waren es 905 Frauen mit 686 mitbetroffenen Kindern, die ambulante Beratung durch die Frauenhäuser erhalten hatten. 2017 waren es 763 Fälle ambulanter Beratung durch die Frauenhäuser mit 591 Kindern als Mitbetroffene von häuslicher Gewalt.

In den acht Beratungsstellen für Betroffene von häuslicher Gewalt, die hauptsächlich im ländlichen Raum arbeiten und längerfristige psycho-soziale Beratung anbieten, fanden 2019 insgesamt 441 Betroffene (davon 414 Frauen, 26 Männer sowie 1 Person diversen Geschlechts/ohne Angabe) Beratung und Unterstützung. In den Familien gab es 399 mitbetroffene Kinder und Jugendliche. 2018 waren es 514 erwachsene Betroffene (480 Frauen, 33 Männer und 1 Person diversen Geschlechts/ohne Angabe) mit 425 mitbetroffenen Kindern und Jugendlichen. 2017 waren es insgesamt 459 Erwachsene (439 Frauen und 20 Männer) sowie 473 mitbetroffene Kinder und Jugendliche.

Die fünf Fachberatungsstellen für Betroffene von sexualisierter Gewalt, die erwachsene und minderjährige Betroffene psycho-sozial beraten und u.a. Präventionsangebote in Kitas und Schulen anbieten, unterstützten 2019 insgesamt 363 erwachsene Betroffene (325 Frauen, 31 Männer und 7 Personen diversen Geschlechts/ohne Angabe) und 304 minderjährige Betroffene (231 Mädchen, 72 Jungen, 1 divers/ohne Angabe) von sexualisierter Gewalt. Zum Vergleich: 2018 wurden 451 erwachsene Betroffene (400 Frauen, 39 Männer, 12 Personen diversen Geschlechts/keine Angabe) und 328 minderjährige Betroffene (231 Mädchen, 90 Jungen, 7 diversen Geschlechts/keine Angabe) beraten. 2017 waren es 319 Erwachsene (292 weibliche und 27 männliche Betroffene) und 296 betroffene Kinder und Jugendliche.

Die fünf Interventionsstellen gegen häusliche Gewalt und Stalking, die pro-aktive kurzzeitige Beratung und Krisenintervention überwiegend nach Polizeieinsätzen zu häuslicher Gewalt anbieten, verzeichneten im vergangenen Jahr 2.537 Fälle gewaltbetroffener Erwachsener (2.189 Frauen und 348 Männer). Zudem wurden 2.412 Fälle mitbetroffener Kinder und Jugendlicher registriert sowie 31 Fälle direkt von häuslicher Gewalt oder Stalking betroffener Minderjähriger (27 Mädchen, 4 Jungen). 2018 gab es bei den Interventionsstellen 2.399 Fälle erwachsener Betroffener (2.053 Frauen, 346 Männer). Hinzu kamen 2.383 Fälle mitbetroffener Kinder und Jugendlicher sowie 32 Fälle direkt von häuslicher Gewalt oder Stalking betroffener Minderjähriger (22 Mädchen, 10 Jungen). Im Jahr 2017 waren 2.294 Fälle erwachsener Betroffener bekannt geworden (2.010 Frauen, 284 Männer), wobei in diesen Familien insgesamt 2.101 Kinder und Jugendliche anwesend waren. Die Fallzahlen der Interventionsstellen gegen häusliche Gewalt und Stalking sind 2019, wie in den Vorjahren, erneut gestiegen.

Die Fachberatungsstelle für Betroffene von Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung und Zwangsverheiratung, die landesweit tätig ist, unterstützte 2019 insgesamt 47 Erwachsene (46 Frauen, 1 Mann) sowie 7 minderjährige Betroffene (5 Mädchen, 2 Jungen) von Menschenhandel und Zwangsverheiratung. 2018 wurden 32 Erwachsene (ausschließlich Frauen) sowie 7 minderjährige Betroffene (ebenfalls alle weiblichen Geschlechts) unterstützt. 2017 wurden 34 Erwachsene und 8 minderjährige Betroffene verzeichnet. Auch bei der landesweiten Fachberatungsstelle für Betroffene von Menschenhandel und Zwangsverheiratung wurde 2019 demnach ein erneuter Anstieg der Fallzahlen im Vergleich zu den Vorjahren verzeichnet.

Die drei Gewaltberatungsstellen, die mit Tatpersonen arbeiten und diese zu einem Leben ohne gewalttätiges Verhalten beraten, boten 2019 insgesamt 159 erwachsenen Tatpersonen (135 Männer, 24 Frauen) Unterstützung an. Zudem wurden 12 minderjährige Tatpersonen (alle männlich) beraten. 2018 gab es 280 Fälle erwachsener Tatpersonen (254 Männer, 26 Frauen) sowie 11 Fälle minderjähriger Täter*innen (10 männlichen Geschlechts, 1 weiblichen Geschlechts). 2017 konnte in 319 Fällen gewalttätigen Personen (291 Männer und 28 Frauen) Anti-Gewalt-Beratung unterbreitet werden. Der starke Rückgang der Fallzahlen der Gewaltberatung im Vergleich zu den Vorjahren ist darauf zurückzuführen, dass wegen u.a. Renteneintritt und Trägerwechsel nur eine der Gewaltberatungsstellen 2019 durchgängig geöffnet war.

Unten finden Sie eine tabellarische Übersicht der Fallzahlen 2019 sowie entsprechende Diagramme zum Download.

 

Erläuterung der Auswertung:

Seit dem Auswertungsjahr 2018 werden die statistischen Daten hinsichtlich des Geschlechts nicht nur als männlich/weiblich sondern zusätzlich als divers bzw. keine Angabe ausgewertet und angegeben. Damit wollen wir dem seit dem 01.01.2019 geänderten Personenstandsgesetz und der damit verbundenen Einführung und Anerkennung des diversen Geschlechts entgegenkommen. Transfrauen werden in der Auswertung statistisch als Frauen erfasst, Transmänner als Männer.

Wurden in der Auswertung der Vorjahre betroffene und mitbetroffene Kinder und Jugendliche in einer Kategorie subsummiert, haben wir uns dazu entschlossen, diese ab 2018 nun in mitbetroffene Kinder und Jugendliche sowie direkt betroffene Kinder und Jugendliche aufzuschlüsseln. Damit wollten wir unsere minderjährigen Klient*innen sichtbarer machen, die sich z.B. als Selbstmelder*innen direkt an unsere Beratungsstellen gewendet haben. Unzweifelhaft ist jedoch bereits das Miterleben von häuslicher Gewalt für viele Kinder und Jugendliche in hohem Maße traumatisch und bedarf professioneller Unterstützung durch ausgebildete Kinder- und Jugendfachkräfte.

In der tabellarischen Übersicht unten handelt es sich bei den angegebenen Fallzahlen der Gewaltberatung nicht um Betroffene sondern um Tatpersonen.

Die Adressen der Beratungsstellen und Frauenhäusern sind hier zu finden.

 

In einer Pressemitteilung hat die Sozialministerin Mecklenburg-Vorpommerns, Stefanie Drese, die Fallzahlen bereits gestern veröffentlicht:

„Ich danke unseren Fachkräften in den Beratungsstellen und Frauenhäusern. Sie sind kompetente und verlässliche Ansprechpartner für viele Gewaltopfer und deren Angehörige in unserem Land“

, würdigte Drese die wichtige Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Anlaufstellen des Landes.