M-V: Gewalt in Partnerschaften wird vermehrt aufgedeckt
24.11.2016

Informationen zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25.11.2016

Seit 1981 findet jedes Jahr am 25. November der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen statt. Von 1981 bis 1999 wurde der Tag durch Menschenrechtsorganisationen ausgerichtet, seit 1999 ist er auch durch die Vereinten Nationen als internationaler Gedenktag anerkannt. In Mecklenburg-Vorpommern (M-V) gibt es verschiedene Einrichtungen, die sich gegen Gewalt an Frauen engagieren. Anlässlich der Anti-Gewalt-Woche, die am 21. November in M-V mit einer landesweiten Auftaktveranstaltung in Güstrow beginnt, veröffentlicht CORA die Fallzahlen des Beratungs- und Hilfenetzes.

Im ersten Halbjahr 2016 wurden den fünf Interventionsstellen insgesamt 1.140 Fälle (im Vergleichszeitraum 2015: 1.025 Betroffene) bekannt. Interventionsstellen sind proaktiv arbeitende Einrichtungen, die eine Krisenintervention für Betroffene von häuslicher Gewalt und Stalking sowie für deren Kinder Beratung und Hilfen anbieten. Den Interventionsstellen wurden im ersten Halbjahr 1.015 Frauen und 125 Männer von häuslicher Gewalt bzw. Stalking gemeldet. In den Familien waren insgesamt 1.038 Kinder und Jugendliche am Tatort anwesend. 856 der 1.140 Fälle wurden durch die Polizei direkt nach dem Einsatz oder der Anzeige an die Interventionsstellen übermittelt.

In den neun Frauenhäusern mit insgesamt 60 Zimmern wurden im 1. Halbjahr 2016 145 Frauen mit 128 Kindern (gesamt 273 Personen) aufgenommen. Es wurden zudem in 400 Fällen externe Beratungen mit 364 mitbetroffenen Kindern durchgeführt. Die Belegungsdauer nimmt aufgrund der Komplexität der Fälle (posttraumatische Belastungsstörungen, Fluchthintergrund, Aufenthaltsstatus, Schulden, psychische Belastungen, körperliche Einschränkungen) aber auch aufgrund der schwierigen Arbeits- und Wohnungsmarktsituation zu. Es ist für viele Frauen eine enorme Herausforderung eine Existenz unabhängig vom gewalttätigen Ex-Partner aufzubauen. Dennoch kehrten die wenigsten Frauen nach ihrem Aufenthalt in die gewaltgeprägte Lebenssituation zurück.

In den acht Beratungsstellen für Betroffene von häuslicher Gewalt in den ländlichen Regionen suchten im 1. Halbjahr 251 Frauen und 12 Männer von sich aus Hilfe und längerfristige Beratung um Wege aus der Gewalt für sich und ihre Kinder zu finden. In diesen Familien wurden 260 Kinder und Jugendliche Zeuge der Gewalt.

Den fünf Fachberatungsstellen für Betroffene von sexualisierter Gewalt wurden insgesamt 357 Fälle bekannt, darunter 142 betroffene Mädchen, 27 betroffene Jungen, 154 von sexualisierter Gewalt betroffene Frauen und 18 Männer. Es suchten vermehrt pädagogische Fachkräfte Beratung, um im Umgang mit Kindern und Jugendlichen, bei denen sexualisierte Gewalterfahrungen vorliegen könnte, sicherer zu werden. Sexuelle Übergriffe unter Kindern und Jugendlichen waren 2016 leider ebenfalls Thema, ebenso wie die Beratung zum "Ergänzenden Hilfesystem (EHS) für Betroffene sexuellen Missbrauchs im familiären Bereich". Weitere Beratungsinhalte waren auch sexuelle Belästigungen am Arbeitsplatz. Durch das Präventionstheaterstück "Ja! und Nein! und Lass das sein!" konnten 2016 mehr erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung in Betreuungseinrichtungen und Werkstätten erreicht werden.

ZORA, die Fachberatungsstelle für Betroffene von Menschenhandel und Zwangsverheiratung, konnte im 1. Halbjahr 2016 drei Frauen und einem Mann begleitend und beratend zur Seite stehen. Die Fälle werden durch das Landeskriminalamt und durch andere Beratungsstellen an ZORA weitervermittelt.158 Männer und 19 Frauen (177 gesamt) suchten im 1. Halbjahr überwiegend freiwillig die drei Männer- und Gewaltberatungsstellen auf. Die Fallzahlen zeigen, dass es bei Vorliegen spezifischer Gründe Motivationen für die Gewaltausübenden gibt, das eigene Verhalten zu verändern. Meist ist es der Wunsch nach dem Erhalt der Partnerschaft, der Anlass zur Hilfesuche gibt.

Zusammenfassung der Fallzahlen

Im ersten Halbjahr 2016 erhielten durch das Beratungs- und Hilfenetz insgesamt 2.124 Frauen und Männer Schutz und Beratung. Das sind 178 Fälle mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres (1. Halbjahr 2015: 1.946 Fälle).Insgesamt waren 1.932 Kinder und Jugendliche von sexualisierter Gewalt bzw. von häuslicher Gewalt betroffen, 253 mehr als im Vergleichszeitraum (1. Halbjahr 2015: 1.679 Fälle). Frauen (1.968 Fälle) waren weit häufiger von häuslicher Gewalt betroffen als Männer (156). 177 Tatpersonen suchten in den Männer- und Gewaltberatungsstellen Hilfe.

Ankündigung

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen finden in M-V zahlreiche öffentliche Aktionen und regionale Veranstaltungen statt. Viele der diesjährigen Veranstaltungen in unserem Bundesland stehen unter dem Motto "orange the world". Weitere Informationen dazu finden Sie unter diesem Link. Setzen auch Sie am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen ein Zeichen: tragen Sie orange, färben Sie Ihre Profilbilder in den sozialen Medien orange ein, und helfen Sie mit, die Öffentlichkeit über Ursachen und Folgen häuslicher Gewalt aufzuklären. Auf www.cora-mv.de finden Sie alle Adressen der Einrichtungen des Beratungs- und Hilfenetzes bei häuslicher und sexualisierter Gewalt in M-V. Unter www.gewaltfrei-zuhause-in-mv.de steht eine Liste der freien Plätze in Frauenhäusern in M-V zur Verfügung.