Erklärung der internationalen Netzwerkkonferenz der Interventions- und Koordinierungsstellen „Häusliche Gewalt“ 2013
31.07.2013

Die Teilnehmerinnen haben für die Diskussion über bzw. die Bemühungen um die Etablierung von Schutz- und Unterstützungsmaßnahmen für Kinder im Kontext häuslicher Gewalt zu verstärken eine gemeinsame Erklärung verfasst.

Auf der 18. Internationalen Fachtagung des Netzwerkes der Interventionsstellen, Interventionsprojekte und Koordinierungsstellen in Deutschland, Schweiz, Liechtenstein und Österreich in Feldkirch bestätigen die ExpertInnen länderübergreifend, dass das Thema Kinder und häusliche Gewalt zu wenig Beachtung bei beteiligten Institutionen findet und der Arbeitsbereich nicht oder unterfinanziert ist. Im Folgenden wird aus der Erklärung zitiert:

"Die Konferenz der Interventions- und Koordinierungsstellen gegen häusliche Gewalt aus der Schweiz, Deutschland, Österreich und Liechtenstein beklagt den fehlenden Schutz von Kindern vor häuslicher Gewalt.

Vom 03. -05. Juni 2013 fand in Feldkirch/Vorarlberg die 18. Internationale Fachkonferenz der Interventions- und Koordinationsstellen zur Prävention von häuslicher Gewalt aus der Schweiz, Deutschland, Liechtenstein und Österreich statt. Die vom Vorarlberger Institut für Sozialdienste organisierte Tagung beschäftigte sich mit neuen Entwicklungen im Bereich der Prävention von häuslicher Gewalt.
Statistiken von Polizei und Hilfseinrichtungen zeigen, dass Frauen und Kinder die Hauptbetroffenen von häuslicher Gewalt sind. Studien bestätigen diese Zahlen: Ca. jede vierte Frau wird zumindest einmal in ihrem Leben Opfer von Gewalt durch einen Partner oder Ex-Partner. Viele dieser Frauen lebten zum Zeitpunkt der Gewalt mit Kindern zusammen. Diese Kinder sind immer von der Gewalt an ihren Müttern (mit-)betroffen, einerseits dadurch, dass sie selber Misshandlungen und Bedrohungen erleben und andererseits indem sie die Gewalt an der Mutter miterleben, diese hören, sehen und in einem Klima der Gewalt aufwachsen. Mit großer Besorgnis stellten die ExpertInnen fest, dass Kinder, die häusliche Gewalt erleben, oft keinen ausreichenden Schutz und zu wenig Unterstützung erhalten.
Hilfen für die Kinder werden vielfach thematisiert, doch in der Praxis fehlten oft die Mittel, kritisierten die ExpertInnen und wiesen darauf hin, dass betroffene Kinder gemeinsam mit ihren Müttern Schutz und fachliche Unterstützung brauchen.
Eskalierte Partnerschaftsgewalt zwischen den Eltern und hochstrittige, eskalierte Trennungs- und Sorgerechtskonflikte und damit verbundenes Stalking sind Spezialformen der psychischen Misshandlung von Kindern.2 Extrem gefährlich kann es für Kinder werden, wenn der gewaltausübende Vater die Trennung nicht akzeptieren will. Immer wieder kommt es im Zuge von Trennungen zu schwerer Gewalt und Mordversuchen von denen auch Kinder nicht verschont bleiben Nach nicht veröffentlichten Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik des Bundeskriminalamtes von 2011 wurden in Deutschland von 313 Frauen, die Mord und Totschlag zum Opfer fielen, fast die Hälfte, nämlich 154 Frauen, Opfer häuslicher Gewalt. Oft werden die Kinder Zeugen des Mordes oder auch getötet. (...)
Die ExpertInnen der Fachtagung kamen zu der Einschätzung, dass der Schutz der Kinder im Kontext häuslicher Gewalt gegen Frauen ins Hintertreffen gerät, wenn es den gewaltausübenden Vätern gelinge, Obsorge und Besuchs- bzw. Umgangskontakte durchzusetzen. Solche Entwicklungen widersprechen der UN Kinderrechtskonvention, die jede Form der Gewalt an Kindern ablehnt.
Ein wichtiges Anliegen der Fachkonferenz ist, dass das Recht auf Obsorge/Sorge- und Umgang nicht über das Wohl des Kindes gestellt wird und dass Besuchs- bzw. Umgangskontakte nach Partnerschaftsgewalt an Kindeswohlgefährung und an der Sicherheit der betroffenen Frau orientiert werden. Gewalt richtet in der Familie enormen immateriellen und materiellen Schaden an den Betroffenen und der Gesellschaft an. Es ist menschenrechtlich und ökonomisch geboten, in eine Gesellschaft zu investieren, die frei ist von Gewalt. Bund, Länder, Kantone und Gemeinden müssten deshalb ausreichend Mittel dafür bereitstellen, dass Kinder und Jugendliche die Gewalt erleben und miterleben sowie das von Gewalt betroffene Elternteil professionellen Schutz und Beratung erhalten."

Kontakt:

Konferenz der kantonalen Interventionsstellen, Interventionsprojekte sowie Fachstellen gegen Häusliche Gewalt der deutschen Schweiz (KIFS) - vertreten durch: Miriam Reber, MAS FHO, Koordinatorin KIFS, Leiterin Koordinationsstelle Häusliche Gewalt, Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons St.Gallen, Oberer Graben 32, 9001 St.Gallen, miriam.rebersgch


Konferenz der Landeskoordinierungsstellen gegen häusliche Gewalt (KLK):Andrea Buskotte, Koordinierungsstelle „Häusliche Gewalt“, Landespräventionsrat Niedersachsen. Am Waterlooplatz 5A, 30169 Hannover, andrea.buskottemj.niedersachsende


Gewaltschutzzentren, Gewaltschutzstelle und Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie Österreich, Kontakt:_ Rosa Logar, Tel. +43 664 311 94 58, e-mail: rosa.logarinterventionsstelle-wienat

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