130 begeisterte Teilnehmende beim Fachtag Kinder- und Jugendberatung
22.09.2015

Kindeswohlgefährdung bei häuslicher Gewalt - Fachtag 10 Jahre Kinder- und Jugendberatung in M-V am 16.09.2015

Am 16.09.2015 fand in der Sportschule Güstrow ein Fachtag zum Thema Kindeswohlgefährdung bei häuslicher Gewalt statt. Anlass war das 10-jährige Bestehen der Kinder- und Jungendberatung der Interventionsstellen gegen häusliche Gewalt und Stalking in Mecklenburg-Vorpommern. Das Modellprojekt „Kinder- und Jugendberatung bei häuslicher Gewalt“ startete am 01. Mai 2005 in Schwerin und Rostock, seit 2008 wird die Kinder- und Jugendberatung an allen fünf Interventionsstellen ausschließlich durch die Landesregierung finanziert.

Eingeladen zu dem Fachtag hatten die fünf Kinder- und Jugendberaterinnen aus Rostock, Stralsund, Schwerin, Neubrandenburg und Anklam, die Moderation übernahm Gisela Best von der Landeskoordinierungsstelle zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Kinder in Mecklenburg-Vorpommern. Die Kinder- und Jugendberaterinnen arbeiten mit Kindern und Jugendliche, die Gewalt in der Partnerschaft der Eltern miterleben. Häusliche Gewalt ist in Deutschland immer noch ein Tabuthema, schon das Gespräch mit den Kinder- und Jugendberaterinnen hilft den Kindern zu verstehen, dass sie nicht allein und nicht schuld an der Gewalt sind. Der pro-aktive Beratungsansatz der Kinder- und Jugendberatung ermöglicht es, den Kindern und Jugendlichen zeitnah und unbürokratisch nach einem polizeilichen Einsatz Unterstützung anzubieten.

Das Angebot der Kinder- und Jugendberatung ist kostenlos und leicht zugänglich: die Kinder und Jugendlichen müssen nicht zur Beratungsstelle kommen, sondern die Mitarbeiterinnen suchen die Kinder auch zu Hause, an der Schule oder an anderen Orten auf. Allein im Jahr 2014 wurden in den Interventionsstellen in Mecklenburg-Vorpommern 1.756 Fälle bekannt, in denen Kinder Partnerschaftsgewalt miterlebt haben.

Häusliche Gewalt ist immer auch eine Gefährdung des Kindeswohls – das wurde auf dem Fachtag noch einmal besonders deutlich. Die Teilnehmenden des Fachtags waren sich darüber einig, dass es in Deutschland bereits sehr gute Gesetze zum Schutz von Kindern vor Gewalt gibt, die nur leider nicht immer konsequent umgesetzt werden. „Wir haben in Deutschland keine Gesetzeslücke, sondern eine Umsetzungslücke“ sagte Prof. Dr. Ludwig Salgo, Jurist an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main.

Auch in zwei Lokalausgaben des Blitz am Sonntag wurde über den Fachtag berichtet.


Weiter unten finden Sie folgende Vorträge:

"Kindeswohlgefährdung bei häuslicher Gewalt - 10 Jahre Kinder- und Jugendberatung in M-V" von Kati Voß, Kinder- und Jugendberaterin Rostock

"Umgang mit häuslicher Gewalt im Sorgerechtsverfahren und das Umgangsrecht für das Gewalt ausübende Elternteil" von Prof. Dr. Ludwig Salgo, Goethe-Universität Frankfurt

"Täter mit Umgangsrecht - Was wenn der Kindesvater stalkt?" von Olga Siepelmeyer, Stop-Stalking, Berlin

sowie Materialien zur Risikoeinschätzung bei intimer Partnergewalt, zur Verfügung gestellt von Justine Glaz-Ocik, Institut für Psychologie und Bedrohungsmanagement, Darmstadt