Hilfsangebote für Täter und Täterinnen werden angenommen
29.01.2014

Männer- und Gewaltberatung in Fällen häuslicher Gewalt und Stalking in Mecklenburg-Vorpommern

Mit 285 Fällen ist im Bereich der Männer-  und Gewaltberatung in Fällen häuslicher Gewalt und Stalking in Mecklenburg-Vorpommern ein vorläufiger Höhepunkt des Hilfsangebotes im Jahr 2013 erreicht worden. Im Jahr 2012 waren es 226 Fälle. Grund für die Zunahme der Hilfesuchenden Täter und Täterinnen war die Neueröffnung der Beratungsstelle des Kreisdiakonischen Werk Greifswald  zum 01.06.2013.

 

„Die meisten der Täter und Täterinnen waren Selbstmeldende, weitere Vermittlungen erfolgten durch eine gerichtliche Weisung, durch den Kooperationspartner Bewährungshilfe und über die Kriminalkommissariate“, so Dieter Schmidt, Gewaltberater in Güstrow. „In der überwiegenden Zahl (122 von 285 Fällen) sind die Hilfesuchende, die zu uns kommen zwischen 26-35 Jahren alt“, erklärt der Sozialpädagoge.

Erste Gespräche der Männer- und Gewaltberatung dienen dabei zur Krisenintervention, um weitere Gewalt zu verhindern. „Die Gewaltausübenden sind zum Beginn der Beratung sehr verunsichert, sie sind oft verzweifelt. Viele wissen, was sie angerichtet haben, finden jedoch keinen Zugang zu sich und zu ihrem Umfeld“, so der Gewaltberater Tilo Zocher aus Greifswald.

Um ihrer Verantwortung zu entgehen, versuchen die meisten Täter und Täterinnen die Schuld und Ursache ihrer Gewaltausübung bei Anderen zu suchen (dem Alkohol, dem Stress bei der Arbeit, provozierendes Verhalten des Partners/der Partnerin…).

Viele der Ratsuchenden kommen mit der Vorstellung in die Männer- und Gewaltberatung, dort mit guten Ratschlägen versorgt zu werden und dass dann alles wieder gut würde. „Erst im Verlauf der Beratung merken sie, dass ihre Gewalttätigkeit viel komplexer ist und weitreichende Konsequenzen hat. Der Blick in den Spiegel erschreckt sie“, so Zocher.

Ziel der Beratung ist ganz klar die Beendigung der Gewalt. Die Tatpersonen müssen verstehen lernen, was sie zum Täter zur Täterin werden lässt und welche Alternativen sie zur Gewaltausübung haben. Denn die gibt es.

In 285 Fällen haben 254 männliche und 31 weibliche Täterinnen die kostenfreie Hilfe und Beratung an den drei Standorten in Anspruch genommen. „Täterinnen melden sich vorwiegend mit dem gleichen Hintergrund (körperliche Gewalt), wie die männlichen Täter. Der Unterschied ist jedoch, dass Täterinnen vorher oft selbst Betroffene waren“, beschreibt Gewaltberater Reinhard Marschner seine Erfahrungen aus Neubrandenburg.

Insgesamt führten die drei Mitarbeiter kostenfreie 1.297 Beratungsgespräche durch.

Hier finden Sie die Kontaktdaten zur Männer- und Gewaltberatung