Schwächen der Strafverfolgung bei Vergewaltigungsopfern
17.04.2014

Eine bundesweite Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen hat ergeben, dass bei einer Vergewaltigung die Chance für eine Verurteilung extrem gesunken sei.

Das habe mit verschiedenen Aspekten zu tun, so Prof. Dr. Christian Pfeiffer, Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts und Dr. Deborah Hellmannin ihrer Pressemitteilung:
"Zum einen haben sich die Fälle der angezeigten Vergewaltigungen stark in den sozialen Nahraum der betroffenen Frauen verlagert." Daraus ergebe sich ein Beweisproblem: "Die beschuldigten Männer geben heute meist den Geschlechtsverkehr zu und berufen sich darauf, er sei einvernehmlich erfolgt."

Die Studie belegt, dass vor 20 Jahren noch 21,6% der Anzeigen mit einer Verurteilung endeten. Heute seien es bundesweit nur noch 8,4%. Die Bundesländer unterscheiden sich erheblich in den Verurteilungsquoten. Sie reichen von 24,4% bis zu einer Quote von lediglich 4,1%.

Ein weiterer Aspekt für den Rückgang sei die Arbeitsüberlastung bei Polizei und Staatsanwaltschaft:
"Je größer die Arbeitsbelastung der zuständigen Polizeibeamten, Staatsanwälte und Gerichte ausfällt, desto seltener enden die Strafverfahren mit einer Verurteilung des Täters. Der Zusammenhang lässt sich aber auch anders interpretieren: Je häufiger Tatverdächtige der Vergewaltigung in einem Bundesland damit rechnen müssen, verurteilt zu werden, desto niedriger fällt dort die Zahl der registrierten Vergewaltigungen aus."

Ein dritter Punkt beträfe die Rechtsprechung und Rechtsauslegung selbst. Hier bestehe das Problem, dass ein NEIN! der oder des Betroffenen für den Straftatbestand nicht ausreicht.

Deshalb setzen sich der Bundesverband Frauennotrufe und Frauenberatungsstellen (bff) und Terre des Femmes für eine Reform des § 177 StGB ein.

Den Appell „Vergewaltigung – Schluss mit der Straflosigkeit!“ haben inzwischen über 27.500 Menschen unterzeichnet (www.frauenrechte.de/gegen-vergewaltigung).

Das geplante Forschungsprojekt des KFN soll auch dazu genutzt werden, zu diesen rechtspolitischen Fragen empirisch breit fundierte Antworten zu liefern.