20. Internationales Netzwerktreffen
10.07.2015

40 Vertreterinnen aus Österreich, der Schweiz und aus Deutschland, darunter auch die Koordinierungsstelle CORA, trafen sich vom 22. bis zum 24. Juni 2015 zum 20zigsten mal Fachaustausch in Hannover.

Seit 1996 finden diese selbstorganisierten Vernetzungen der koordinierenden Stellen aus dem Bereich häusliche Gewalt reihum in den Ländern statt und leben von einer Kultur der Solidarität durch die Arbeit bei Gewalt gegen Frauen.
Verbindende Ziele sind, dass...
...jede Betroffene soll umgehend Schutz erhalten soll
...ein zeitnaher Zugang zu einer Schutzeinrichtung oder Beratungsstelle möglich sein soll
...alle Hindernisse abzubauen sind, die dem entgegen stehen
...Kindern ein eigenständiger Schutz und Beratung geboten wird
...die Arbeit mit Tätern stattfinden muss

Bei den einführenden Länderberichten wurden ähnliche Entwicklungen und Differenzen in den Staaten deutlich. Zum Bespiel zum Stand der Umsetzung der Istanbul-Konvention. In Österreich ist sie bereits ratifiziert, in der Schweiz nicht unterzeichnet. Folgende Artikel sind davon in Deutschland noch nicht ausreichend umgesetzt, sodass die Ratifizierung auch noch nicht erfolgen konnte: Art. 31 (das Umgangs- und Sorgerecht darf die Sicherheit der Frau und ihrer Kinder nicht gefährden). Art. 51: Gefährdungsanalyse und Gefahrenmanagement durch alle einschlägigen Behörden sowie koordinierte Maßnahmen zur Herstellung von Sicherheit der Betroffenen und Art. 36: Sexuelle Gewalt, einschließlich Vergewaltigung. Die bestehende Strafvorschrift des § 177 StGB entspricht nicht der Anforderung des Artikels, nach der Sexualkontakte gegen den geäußerten Willen einer Person, auch ohne körperliche Gegenwehr, strafbar sein sollen. Gerade im Bereich der Reformierung des Sexualstrafrechts gab es ähnliche Problematiken in Österreich (Reform des § 218) wie in Deutschland.
Die Teilnehmerinnen traten zu einem breiten Themenspektrum in den Dialog insbesondere zur Weiterentwicklung des Unterstützungssystems für gewaltbetroffene Frauen und die Frage der Erhebung und Ermittlung von Bedarfen (vgl. Kavemann, Schröttle).

Eine Vielzahl an Themen wurden erörtert und in Workshops vertieft. Viel zu wenig wird noch die Sicht betroffenen Frauen auf die Interventionen in die alltägliche Arbeit und die Forschung einbezogen (vgl. Gloor). Gewalt gegen Frauen in Flüchtlingsunterkünften war in allen Ländern eine Problematik (vgl. Logar). Ebenso die Frage nach der Sicherheit von hochgefährdeten Frauen. Es gab regen Austausch darüber, welche Instrumente in den jeweiligen (Bundes-)Ländern zur Gefährdungseinschätzung genutzt werden. Auch die Dualproblematik von Sucht und Gewalt war in allen deutschsprachigen Ländern ein großes Problem. In dem Workshop zu dem „Verbund zur Verbesserung der Versorgung gewaltbetroffener Frauen mit einer Suchtmittelproblematik – GeSA“ konnten länderübergreifend Erfahrungen dazu ausgetauscht werden.